Dienstag, 17. September 2013



Einen wunderschönen guten Abend ihr alle,

wir Freiwilligen wollen diesen ruhigen Abend nutzen um mal wieder ein Lebenszeichen von uns zu geben. Die letzte Zeit haben wir mit der Registrierung neuer Beneficiary- Gruppen verbracht und dies nun auch vollendet. Unsere 5 Gruppen stehen, die wir in nächster Zeit mit diversen Workshops über Ernährung, Hygiene, Familienplanung und etliche weitere Themen bearbeiten werden. 

Ericana (links) und unsere letzte Gruppe
Dazu fuhren wir in den letzten Wochen regelmäßig mit George und Ericana in der näheren Umgebung herum um neue Familien zu finden, die in das Projekt aufgenommen werden sollen. Zu Beginn waren wir mit den Boda Bodas unterwegs (was wirklich sehr viel Spaß machte!), später nutzten wir für die größeren Entfernungen dann vermehrt das Auto. 

Für uns war es sehr spannend, die Wohnsitze der potentiellen Beneficiaries zu besuchen und so etwas über die Lebensumstände der Menschen zu erfahren. Die meisten leben auf kleinen Höfen mit selbstgebauten Lehmhäusern, wo Haus- und Nutztiere wie Ziegen, Hühner und vereinzelt sogar Kaninchen frei herum laufen. Die Armut ist bei vielen der Familien hier in der Gegend sehr offensichtlich, was es uns sehr schwer machte, das Obst und Gemüse, was wir von einigen Leuten geschenkt bekamen, guten Gewissens anzunehmen. Aber George und Ericana erklärten uns, dass es zu ihrer Kultur gehört, seinen Gästen Geschenke zu machen, das ist eben die afrikanische Herzlichkeit.

Besonders für die Kinder sind wir auch immer eine Attraktion. Egal wo wir hinkommen, das erste Kind, das uns sieht, rennt mit lauten „Muzunghu“ und „how are you?“(wohl die Standartbegrüßung für alle Fremden)-Rufen zu allen umstehenden Häusern und lenkt somit die ganze Aufmerksamkeit der Nachbarskinder auf uns. Und tatsächlich dauert es dann meist nicht lange, bis wir von einer Horde Kinder umringt sind, die uns bestaunen und, sobald die erste Scheu überwunden ist, auch anfassen wollen. Einzig Georges Kinder freuen sich nicht wirklich, wenn wir sie besuchen. Marc, der jüngere Sohn rennt schreiend und weinend weg, sobald er nur ein bisschen weiße Haut zu sehen bekommt und auch der etwas ältere Christian hält sich lieber auf Distanz. Woher diese Abneigung kommt ist uns etwas schleierhaft, aber wir hoffen, dass wir mit dem Inhalt unseres nächsten Pakets punkten können (Haribo!!).


Aber nicht nur Arbeit kennt das Leben. Auf Empfehlung unseres gut sortierten Volunteerordners mit Reisevorschläge, Kurztrips und guten Restaurants in der Umgebung haben wir unsere festen Schuhe ausgepackt und sind zu einem nahegelegenen Wasserfall gelaufen um dort in Ruhe die Füße hoch zu legen, zu entspannen und zu lesen. So zumindest war der ursprüngliche Plan.
Nachdem wir uns an diesem sehr schönen, warmen Sonntag auf den Weg gemacht hatten merkten wir, dass uns ein kleiner Junge folgte. Zunächst dachten wir uns nichts dabei, denn das kann hier schon mal vorkommen, nach ca. 10 Minuten fragten wir ihn sicherheitshalber, ob er nicht umkehren wolle, dieser jedoch verstand uns natürlich nicht und folgte uns beharrlich weiter. Nach einer weiteren Zeit machten wir uns Sorgen, da es mittlerweile Mittag war und die Temperaturen immer weiter stiegen, zumal der arme Kerl für jeden unserer Schritte mindestens zwei gehen musste.
Im nächsten Dorf  verließ er uns schließlich doch wieder und wir kamen an unserem Ziel an. Einem kleinen Fluss, der sehr schön einen Berg herunterkommt.
Am Fuße dieses Berges also setzten wir uns auf eine, von der Sonne angenehm warme Steingruppe und waren gerade im Begriff mit dem Entspannen zu beginnen, als sich auf einmal eine Hand voll strahlender Kinder zu uns gesellte und aufmerksam unsere, aus Deutschland mitgebrachten, Zeitungen studiert. Na gut, dann halt kollektives Lesen haben wir gedacht, aber als es immer mehr Kinder wurden, war an Ruhe nicht mehr zu denken. Johanna packte ihren Fotoapparat aus und von da an war die Meute gar nicht mehr zu halten. Es wurde getanzt, getobt und geturnt um möglichst spektakuläre Bilder von sich sehen zu können.
Richtig herzerweichend wie sich die Kinder  stundenlang mit einer schier unendlichen Begeisterungsfähigkeit um die Muzunghuzeitschriften und den Fotoapparat widmen können. Circa 200 Fotos später war es dann aber genug.

Zum Abschied gab´s für jeden ein Bild aus der Neon (mehr hatten wir nicht anzubieten, die Kinder haben sich aber gefreut wie ein Schneekönig) und wir machten uns auf den Weg nach Hause, denn der erste afrikanische Sonnenbrand machte sich bemerkbar.

Ansonsten ist Johanna ganz entzückt von der Horde neuer Babyziegen, die hier auch noch Erwähnung finden sollte. In letzter Zeit wurden 8 kleine, weiße, sehr, sehr neugierige Ziegen geboren (oder „produced“, wie man hier so schön sagt), die einem um die Füße springen, sobald man die Tür zu ihrem Stallabteil öffnet. Hier soll ich noch einmal betonen, dass sie sehr sehr süß sind!...also wirklich sehr süß.



Dann bleibt uns nur noch euch einen schönen Winter zu wünschen,
Beste Grüße,
Johanna und Jakob





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